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Frühjahrsarbeiten für den Fuchsienfreund

Ein neuer Fuchsiensommer steht vor der Tür, im Winterquartier zeigen sich schon frische Austriebe. Der Zeitpunkt, wann wir unsere Fuchsien wieder zum Wachsen bringen, hängt jetzt eigentlich nur noch von den vorhandenen Standortbedingungen ab.

Steht ein geheiztes Glashaus oder ein Wintergarten zur Verfügung wird durchkultiviert. Mit zunehmendem Licht im Februar bringt man auch die Pflanzen vom dunklen Winterquartier in diese hellen Kulturräume.Schnitt: Geiltriebe werden auf 2 cm eingekürzt (nicht abgerissen!), die Pflanzen auch insgesamt zurück geschnitten, wobei bei aufrechten Sorten der Leittrieb 2/3 seiner Länge behält, Seitentriebe werden auf 1 bis 3 Augenpaare eingekürzt. Ampeln werden ähnlich behandelt, die Triebe sollen jedoch alle über den Ampelrand reichen, um eine bessere Stabilität der Pflanze zu bekommen. Die Triebe in der Ampelmitte können kürzer beschnitten werden. Kronenbäumchen werden auch auf ein bis drei Augenpaare der Vorjahrstriebe gekürzt, gleichzeitig wird die Form der Krone korrigiert, die Stammstütze überprüft, meist neu gebunden.

Umtopfen: Sobald die Pflanzen sichtbares Wachstum zeigen wird umgetopft. Die alte, lose Erde wird abgestreift und es wird in denselben Topf oder den nächst größeren – je nach Wurzelzustand – getopft. Fuchsien sind zwar gefräßig, leben aber NICHT „auf großem Fuß“. Als Erde verwenden wir Fertigerde vom Gärtner oder Blumenerde mit einem hohen Tonanteil. Wir mischen sie selbst aus drei Teilen gesiebter Komposterde, 2 Teilen Weißtorf, 1⁄2 Teil scharfem Sand und nicht zu viel Dauerdünger, nur 1⁄2 Joghurt- Becher Hornspäne (ca. 7 dag) und 1⁄2 Becher Osmocote 6 Monate (ca. 10 dag) für etwa 50 Liter Substrat. Wir geben auch noch 50 dag EDASIL (auch unter Klasmann Tongranulat im Handel) dazu und einen 1⁄2 Becher Urgesteinsmehl. Das Granulat EDASIL verbessert das Bodengefüge und damit die Wasserhaltekraft der Erde, das Urgesteinsmehl bringt Mineralstoffe und Spurenelemente und soll zur Pilzbekämpfung beitragen.

Nach dem Eintopfen wird gut angegossen und dann erst wieder wenn die Pflanzen frisches Wachstum zeigen. Es werden ganz bestimmt mehr Fuchsien ersäuft als vertrocknen. Sobald die Pflanzen gut zu wachsen begonnen haben wird jeweils nach dem zweiten Blattpaar entspitzt. Wenn man Stecklinge machen will muss man etwas länger warten bis der Steckling eine Spitze und zwei Blattpaare hat.

Halten Sie Ihre Kulturräume sauber und bekämpfen Sie sowohl pilzliche als auch tierische Schädlinge sofort, bevor daraus eine Invasion entsteht. Sehr wichtig ist an warmen Tagen die Kulturräume zu lüften, die Sonne hat jetzt schon so viel Kraft, die kleinen Gewächshäuser sind schnell zu heiß. Sprühen Sie mit lauwarmem Wasser, dem man ein- bis zweimal pro Woche WUCHSAL (als Blattdünger) 0,05% zusetzt, es hilft das Wachstum der Pflanzen zu fördern auch wenn sie noch keine Blätter haben.

Pflanzenschutz: ab sofort stehen uns Liebhabergärtnern nur mehr Pflanzenschutzmittel (PSM) zur Verfügung, die man in Gartencentren, Bau- und Lagerhaus als Kleinpackung angeboten bekommt. Da die Namen der Mittel jährlich geändert werden können wir Ihnen nur empfehlen sich vom sachkundigen Personal gut beraten zulassen. Die Mittel sind auch in verschlossenen Kästen eingesperrt (u. a. sogar das Schneckenkorn!), also muss man sich zwangsläufig an das Personal wenden. Wo immer es geht verwenden Sie Nützlinge, speziell wenn Sie ein Glashaus zur Verfügung haben. Versuchen Sie Ihre Pflanzen optimal zu ernähren und zu pflegen, das heißt auch wirklich abhärten, in den Wind hängen und aufstellen, möglichst Hitzestaulagen zu vermeiden und genug Raum für jede Pflanze zu lassen.
Dickmaulrüssler: Werden beim Umtopfen bei einigen Pflanzen Dickmaulrüssler (kleine, Engerlingen ähnliche Tiere) gefunden, schütteln Sie die Erde in eine geschlossene Schüssel komplett aus, vernichten die Schädlinge und topfen die Pflanze, wenn sie noch genug Wurzeln hat, in neues Substrat. Event. könnte man die Pflanze noch mit einem Insektizid gießen oder besser mit Nematoden behandeln. Wenn es nicht gerade eine sehr wichtige Sorte für sie ist – mit dem Restmüll entsorgen. Der Dickmaulrüssler hat auch Vorliebe für bestimmte Sorten, ist sehr schwer zu bekämpfen, wird aber leider immer wieder eingeschleppt. Er liebt torfreiches Substrat und kann bei jeder Pflanzenart – vom Kaktus bis zum Rhododendron und zur Alpenpflanze – vorkommen. Auch im Freiland kann man gegen den Dickmaulrüssler mit Nematoden ankämpfen, wenn die Bodentemperatur über 12 Grad C ist!
Im April kommen erst jene Blumenfreunde zum Zuge, die ihre Pflanzen direkt NUR ins Freie, auf Balkon oder Terrasse stellen können. Die Arbeiten sind gleich wie im März, nur muss besonders darauf geachtet werden, dass die kellergeschwächten Pflanzen möglichst langsam an das Sonnenlicht gewöhnt werden. Wir

können das mit einem Aufstellen auf der Ostseite des Hauses erreichen. Dünne Vliese als Schutz gegen die Sonne und genügend Abdeckmaterial bereitstellen, sollte es in der Nacht doch noch einen Spätfrost geben!Vermehrung: Stecklinge wachsen jetzt sicher am besten an. Kleine Mengen kann man in kleine Töpfchen (5 bis 7 cm) – oder in einem größeren Topf mehrere Stecklinge EINER Sorte am Topfrand entlang – stecken. Etiketten nicht vergessen!! Ein Zimmerglashaus kann uns viel helfen, denn hohe Luftfeuchtigkeit ist zum schnellen Bewurzeln unerlässlich. Andererseits muss aber auch eine Möglichkeit zum Lüften vorhanden sein. Das für Stecklinge verwendete Substrat soll düngerfrei sein. FLORATON, TKS 1 oder Weißtorf mit viel scharfem Sand (2:1) sind gut brauchbar. Die Temperatur sollte IM Topf 18-20 Grad C haben, die Lufttemperatur 14-20 Grad C. Im Wasser zur Bewurzelung gebrachte Stecklinge bitte sofort in Vermehrungserde und kleine Töpfchen pflanzen, sobald sich die ersten Wurzelansätze zeigen!! LangeWasserwurzeln gewöhnen sich nur sehr schwer an das „Erdenleben“. Stecklinge bitte immer am Morgen gießen und spritzen, damit die Pflanzen nicht nass in die Nacht gehen – es wären das dann ideale Bedingungen für Botrytis und die Pflanzen sind sehr schnell kaputt. Sobald sich Wachstum zeigt, das ist nach etwa 10 Tagen, vorsichtig lüften. Nach etwa 4 Wochen kann um- bzw. eingetopft werden.

Größere Stecklingsmengen werden am besten in Multitopf-Platten mit möglichst kleinem Topfdurchmesser gesteckt und in einem Minifrühbeet untergebracht (Luftfeuchtigkeit). Die Etiketten markieren den Beginn einer neuen Sorte innerhalb der Reihe! Die meist für die Abdeckung verwendeten Doppelstegplatten sichern ein gutes Wachstumsklima. Auch die kleinen Zimmer-Glasvitrinen bringen Erfolg – dort werden die Torf- Quelltöpfchen erfolgreich verwendet. Bei Einzeltöpfchen schon in jeden Topf, zu jedem einzelnen Steckling, ein Etikett geben, Verwechslungen sind sonst unvermeidlich.

Freilandquartier: Der Mai ist wohl der Pflanzmonat schlechthin und es ist für alle Pflanzen, die ins Freie kommen sollen, sehr wichtig dass wir sie jetzt abhärten – auch die Pflanzen in Töpfen und Trögen. Sehr hilfreich sind für uns Pergolen, Carports und auch ostseitige Dachüberstände, wo wir unsere Pflanzen einmal akklimatisieren lassen. Viele Fuchsienfreunde stellen ihre Pflanzen erst einmal entlang der Hausmauer auf –sie strahlt in der Nacht Wärme ab. Große Fuchsienbestände muss man in Etappen hinausräumen. Kronenbäumchen und große Büsche brauchen eine gute Verankerung, damit sie der Wind nicht umwirft. Wir stellen die meisten Stämmchen am Rande der Staudenbeete auf. Sie haben ohnehin einen mit Kunststoff beschichteten Stab, der vom Topfboden bis in die Krone reicht. Im Garten bekommen sie noch einen grün lackierten Baustahlstab, der schräg in den Boden eingeschlagen wird und bis zur Krone reicht. Er wird mit dem Stamm und dem senkrechten Pflanzenstab zusammengebunden. Einzelpflanzen auf befestigten Flächen rund ums Haus bekommen schwere Tontöpfe mit Wasserloch, aber als Übertopf. Große Pflanzen sind so leichter zu handhaben, sowohl beim Umtopfen als auch beim Einwintern (Transport).

Düngung: frisch umgetopfte Fuchsien bekommen erst nach gutem Einwachsen regelmäßige Düngergaben. Nicht umgetopfte Pflanzen werden ab beginnendem Wachstum wöchentlich gedüngt. Die Düngung der Fuchsien ist vom Nährstoffverbrauch her in zwei Phasen zu sehen: einmal die Zeit von sechs bis sieben Wochen nach dem Umtopfen bis zur Knospenbildung – da gibt es stickstoffreiche Kost. Und nachher wird phosphor-kali-betont gedüngt. Einmal pro Woche – man erklärt am besten einen Wochentag zum„Düngetag“- wird gedüngt. Für die stickstoffreiche Phase kann man HAKAPHOS GRÜN (20 N – 5 P – 5 K, 10 Mag) nehmen. Für die anschließende Blüh- und Reifephase ist HAKAPHOS ROT (8 – 12 – 12, 24 Mag). Die wasserlöslichen Dünger werden am besten in einem großen Gefäß mit Wasser aufgelöst (10 bis 15 dag / 100 l Wasser). Wenn sie 2 Mal wöchentlich düngen verwenden sie die halbe Düngermenge. Man darf NIE ballentrockene Pflanzen düngen oder Pflanzen, die noch nicht eingewurzelt sind oder kränkeln.Winterharte: Sobald der Boden genügend Wärme aufgebaut hat ist es auch Zeit an Neupflanzungen von„Winterharten“ zu denken. Das Beet sollte gut durchgearbeitet und mit Torfmull und Komposterde verbessert werden. Dauerunkräuter wie Girsch, Fünffingerkraut, Quecke etc. müssen sorgsam entfernt sein bevor wir ans Pflanzen gehen. Winterharte Fuchsien vertragen keinen Wurzeldruck von Staudenpflanzen, daher lieber eigene Beete anlegen oder in Gruppen pflanzen. Wir verwenden immer vorjährige Pflanzen, die gut durchwurzelt sind. Die Pflanzung erfolgt eine Handbreit tiefer in eine Grube, sodass die Pflanze in einer Art Gießmulde steht. Im Laufe der Saison füllt sich dies Grube dann bei der Bearbeitung und bis zum Herbst ist der Wurzelstock so tief unten, dass er vor Frost und winterlicher Trockenheit recht gut geschützt ist.

Ja, und bitte halten Sie sich an die Sorten-Listen erprobter winterharter Fuchsiensorten, damit die Arbeit keine Enttäuschung wird! In unserem Garten sind seit vielen Jahren viele Sorten und Arten ausgepflanzt und sie machen uns viel Freude.

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