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Der Pflanzenschutz bei Fuchsien

Neufassung Februar 2014

 


 

 

Chemische Pflanzenschutzmittel wurden in den letzten Jahren zu Recht sehr eingeschränkt, wir wollen unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln ja auch eine lebenswerte Umwelt hinterlassen.

Vorbeugen ist besser als Heilen! Stellen Sie also bitte Ihre Pflanzen wenn möglich nicht zu eng auf, nicht in einer Luft-Staulage, lieber dort, wo der Wind durchziehen kann. Machen Sie alle Gieß-, Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen so, dass die Pflanzen trocken in die Nacht gehen. Bevorzugen Sie biologischen Pflanzenschutz, Blatt- und Kräutertees und –jauchen. Sie wirken pflanzen-stärkend und damit werden diese kaum von Schädlingen ernsthaft angegriffen.

Ausgesetze Fuchsien oder Pflanzen mit eingegrabenen Töpfen (auch nur teilweise eingesenkten Pflanzgefäßen) wachsen nicht nur besser, sie sind auch kaum von Schädlingen oder Pilzen befallen. Wurzelschäden durch Überhitzung der Wurzelballen im Topf fallen weg, die Pflanzen entwickeln sich meist viel größer, was man schon beim Setzen berücksichtigen muss. Das Gießen und Düngen ist natürlich auch einfacher. Um gesunde Pflanzen heranzuziehen ist es wichtig, dass sie sich wohlfühlen, einen möglichst kühlen Wurzelbereich vorfinden, einen hellen aber nicht zu heißen Standort haben und genügend Platz um sich entwickeln zu können.

Sauberkeit bei den Pflanzen und Pflanzgefäßen ist ein Gebot der Stunde! Viele Infektionen gehen von wieder verwendeten Pflanztöpfen etc. aus. Im Privatgarten ist es also keine Zumutung, wenn die Töpfe mit warmem Wasser, dem man einen Schuss Essig oder Spiritus zusetzte, gereinigt werden. In den Gärtnereien werden heute fast nur mehr neue Töpfe verwendet. Sauberes Wasser mit einem Zusatz von EM-Mikroorganismen wäre ideal. Es vernichtet alle Fäulnisanteile und ist absolut pflanzenfreundlich. Sie können das Abwasser dieser Behandlung auch noch im Garten vergießen.

Die Bestimmungen für die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln sind in der EU im Jahr 2009

neu geregelt worden, leider in allen österreichischen Bundesländern unterschiedlich ausgelegt. Das Österreichische Pflanzenschutzmittelgesetz 2012 regelt die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und gilt auch im Haus- und Kleingartenbereich (H&K-Bereich). Es dient der Verminderung der Risiken bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (PSM) auf die menschliche Gesundheit und auch der Umwelt, fördert den integrierten Pflanzenschutz und alternative Methoden oder Verfahren zu chemischen PSM.

Im Haus- und Kleingartenbereich dürfen nur PSM mit der ausdrücklichen Zulassung für diesen Bereich Verwendung finden und im österreichischen PSM-Register eingetragen sind.

Sind Sie dem Gärtner also nicht böse, wenn er auch Ihnen als treuem Kunden nur Mittel für den H&K-Bereich anbieten kann (er wird immer wieder kontrolliert und auch schwer bestraft).

Pflanzenschutzmittel für den Haus- und Kleingartenbereich (H&K) unterliegen besonderen Zulassungsforderungen.

Sie müssen ohne spezielle pflanzenschützerische Kenntnisse durch nichtberufliche Verwender/ -innen sicher angewendet werden.

Die Packungsgrößen sind im H&K-Bereich auf maxim. 500 m2 beschränkt und sind in vielen Fällen schon anwendungsgerecht gefertigt. Die PSM müssen sich rasch abbauen, unbedenklich für den Anwender und die Umwelt sein und nicht sehr giftig (T+), giftig (T), ätzend (C), krebserregend, erbgutschädigend oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft sein. Ab 26. 11. 2015 dürfen nur noch PSM mit dem ausdrücklichen Hinweis für diesen Bereich Verwendung finden.

Die vorrätigen Pflanzenschutzmittel sind aufzulisten (besonders bei Vereinen, die diverse Spritzungen durchführen) und in der Ages die Zulassung zu überprüfen.

Das Angebot an Pflanzenschutzmitteln mit erlaubten Wirkstoffen hat sich also sehr geändert, es mit „Mitteln aus unserer Zeit“ zu vergleichen sollten wir gar nicht versuchen. Im Hobbybereich dürfen nur Mittel verwendet werden, welche man in Gartencentern, Baumärkten und Lagerhausgenossenschaften kaufen kann. Das Angebot ist relativ groß, man muss sich im Notfall neu orientieren und beraten lassen.

Gegen Pilzkrankheiten müssen wir die kranken Pflanzen isolieren, notfalls zurückschneiden, alle kranken Teile regelmäßi9g entfernen und nach wie vor Pflanzenschutzmittel einsetzen.

Gegen Rote Spinne, Weichhautmilben, Thripse:

mit PSM kann man gegen die schon vorhandenen fertigen Tiere ankämpfen und danach Raubmilben einsetzen (Phytoseilius persilius). Diese werden auf Bohnenblättern oder in Dosen mit Kleie geliefert, benötigen 60-70% Luftfeuchtigkeit und eine Idealtemperatur von 18-21 Grad C; ab 30 Grad C vermehrt sie sich nicht mehr und frisst auch nichts. Der Raubmilbenbesatz wird alle 2-3 Wochen erneuert.

Gegen Kalifornischen Blütenthrips:

die Raubmilbe (Amblyseius sp.) ernährt sich mit den Thripslarven und Pollen als Reiseproviant. Optimale Vermehrung bei 20 Grad C und 80 % Luftfeuchtigkeit).

Gegen Weiße Fliege:

Nützlingschonende Mittel verwenden; Multitopfplatten mit JUNGpflanzen kann man VOR dem weiteren Umtopfen in eine Brühe von Pflanzenschutzmittel tauchen. Die Wirkung ist auf lange Zeit vorhanden, oft über die ganze Saison reichend. Der Vorteil: geringe Spritzbrühe-Menge für viele Jungpflanzen-Platten.

Nützlingseinsatz im Glashaus bei Temperaturen von 15 bis 18 Grad C mit SCHLUPFWESPE (Encarsia formosa). Da die Schlupfwespe keine Farben erkennt kann man zusätzlich Gelbtafeln aufstellen und so fertige Insekten fangen, da sich die Raubmilben ja nur der Larven annehmen. Es gibt jedoch mehrere Stämme von Weißer Fliege; lieber sich extra beraten lassen (Neudorff), die Schlupfwespe kommt per Post.

Gegen Dickmaulrüssler

Er liebt alle Pflanzen in torfhaltigem Substrat. Man erkennt ihn am Buchtenfraß an den Blättern, an seinem Äußeren: schwarz und hell gestreift sowie gepunktet und er arbeitet nur im Schutze der Nacht. Seine Larven, kleine Engerlinge, sind viel gefährlicher, denn sie fressen am Wurzelballen alle Wurzeln ab, so dass die Pflanzen welken oder krankhaft versuchen rasch frische Wurzeln zu bilden. Das Substrat ist inzwischen mehlig geworden, ohne Halt. Man muss sowohl Käfer als auch Engerlinge bekämpfen – Topfpflanzen sind selten zu retten.

Gegen Käfer (ausnahmsweise) gegen Abend gründlich mit SCHÄDLINGSSTOP EPIGON NEU/ Kwizda oder mit einem anderen PSM sprühen. Es wird mehrere Behandlungen brauchen. Im Wurzelbereich kann man mit NEMATODEN, im Gießwasser ausgebracht, bekämpfen – auch hier sind mehrere Behandlungen notwendig; ab April bis September, mindeste Bodentemperatur 12 Grad C!

Bei unersetzbaren Topfpflanzen wird der Wurzelballen sorgsam ausgeschüttelt, alle Larven dabei in einem geschlossenen Gefäß gesammelt. Die Resterde wird entsorgt und die Pflanze in frischem Substrat gepflanzt. Trotzdem sollte man mit Nematoden auch behandeln, so dass sich kein neuer Befall ergeben kann. Die gesammelten Larven sind in kochendem Wasser zu töten und zu entsorgen.

Die Nematoden sind bei BIOHELP oder NEUDORF zu bestellen, da sie nicht besonders lange lagerfähig sind.

Eine Anzahl von Tipps zur sachkundigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (aus einem Flugblatt der „Industrie Gruppe Pflanzenschutz im Fachverband der chem. Industrie Österreichs, Haus- und Garten-Ausschuss) erscheint mir sehr wichtig, ich möchte ihn auszugsweise wiedergeben:

+ lassen Sie sich vom geschulten Personal der Fachgeschäfte beraten über Nutzen und Wirksamkeit der Mittel.

+ lesen Sie die Gebrauchsanweisung gründlich und richten Sie sich an die empfohlene Aufwandmenge und ebenso an Verbote / Einschränkungen und Sicherheitshinweise.

+ Tragen Sie eine geeignete Schutzkleidung, festes Schuhwerk, wenn möglich einen Overall und Handschuhe.

+ Für alle PSM gilt während der Ausbringung, dass weder gegessen noch getrunken oder geraucht wird.

+ Richten Sie nur so viel Mittel an als Sie tatsächlich für die Behandlung brauchen. Es ist nicht nur schade für nichtgebrauchte Restmengen, Sie müssen sie auch noch 1:10 mit Wasser verdünnen und auf die vorhin behandelten Flächen ausbringen. ,

+ Der Erfolg der Behandlung hängt oft vom richtigen Zeitpunkt ab (Sonneneinstrahlung, Bienenflug, Witterung) . sprühen Sie nach Möglichkeit am frühen Morgen, so dass die Pflanzen trocken in die Nacht gehen.

+ In der Nähe von Gewässern unbedingt Schutzfolien auflegen oder genügend Abstand halten. Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln (PSM) nur bei Windstille und nicht zu hohen Temperaturen (25 Grad C max).

+ Ausbringungsgefäße nach jeder Verwendung gründlich reinigen, Rückstände können bei Folgebehandlungen schlechte Auswirkungen haben oder aber auch die Geräte schädigen. Das anfallende Spülwasser nicht in die Kanalisation entsorgen sondern auf die vorhin behandelten Flächen ausbringen.

+ Nicht mehr verwendete Restmengen von Altbeständen an PSM bei der Problemstoffsammlung entsorgen.

+ Nach jeder Pflanzenschutzbehandlung unbedeckte Hautstellen gründlich mit Seife reinigen, Kleidung die mit PSM in Berührung gekommen ist vor neuerlichem Gebrauch waschen.

+ Lagern Sie PSM immer in einem geschlossenen und versperrbaren Kasten und nicht in Reichweite von Kindern und Haustieren. Angebrochene Packungen sind immer gut zu verschließen und in der Originalpackung mit Gebrauchsanleitung aufzuheben.

+ Schützen Sie gelagerte Mittel vor Wettereinflüssen (Wind, Hitze, Frost, Feuchtigkeit)

+ Schauen Sie jedes Jahr Ihre PSM durch und führen auch Sie eine Liste (wie die Berufsgärtner), dann wird der Pflanzenschutz kein großes Problem!

Einige Hausmittel von Fuchsienfreundinnen:

a) EM-Mikroorganismen sind für alles zu gebrauchen. Auf 1 l Wasser 20 ml EM aktiv, gut schütteln, auf die Pflanzen SPRÜHEN / NICHT auf schlecht bewurzelte Stecklinge (!) sprühen (die Mikroorganismen betrachten diese offenbar als Kompostabfall…). Blumen GIESSEN mit 10 ml = eine Verschlusskappe auf 5 Liter Wasser.

b) 1 EL Schmierseife, 1 EL Spiritus, 1 l Wasser – gegen Schild- und Wollläuse sprühen oder mit einem Pinsel alle Blattwinkel und Stiele sorgsam waschen.

 


Benutzte Literatur: Steiermk. Landwirtschaftskammer („Rundschreiben Mikroorganismen“). „Tipps zur sachkundigen Anwendung für Pflanzenschutzmittel im Haus- und Kleingarten“ vom „IndustrieGruppe Pflanzenschutz…“. Monatszeitschrift „Wein, Obst, Garten“, 12/2013, Pag. Obstbau.



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2014 F 5