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Winterharte Fuchsien

Fuchsien sind allgemein bekannt als Blumenschmuckpflanze, einige wenige botanische Arten wie Fuchsia magellanicaGracilis, F. mag. Alba noch als winterharte Kleinhecken-Pflanze. Die Bezeichnung Staudenfuchsie ist etwas irritierend, Fuchsien sind in ihrer Heimat – hauptsächlich Mittel- und Südamerika – ein Gehölz, das beachtliche Höhe erreichen kann. In unseren Breiten frieren sie in der Regel oberirdisch zurück und treiben im Frühjahr aus dem Wurzelstock wie eine Blütenstaude wieder aus.

Wir haben in den letzten Jahren etwa 150 Sorten (Hybriden) und diverse Arten, welche in europäischen Publikationen als winterhart beschrieben wurden, bei uns in der Oststeiermark auf etwa 700 Meter Seehöhe auf einem leicht nach Norden geneigten Grundstück ausgepflanzt. Die Winter sind bei uns durchschnittlich nicht sehr streng (maximal minus 15 Grad C), aber die Bodenerwärmung im Frühjahr lässt lange auf sich warten. Da wir den Pachtgrund inzwischen zurückgeben mussten, ist die Anzahl der Sporten zwar weniger geworden, aber die erprobten Sorten erfreuen uns noch immer.-

Die Pflanzung erfolgte grundsätzlich im Frühjahr nach der Frostperiode, also Mitte Mai bis spätestens Ende Juni. Die Pflanzen sollen sich noch vor der großen Sommerhitze einwurzeln und akklimatisieren können. Der Standort soll unbedingt sonnig sein, nur wenige Sorten bevorzugen einen leichten Baumschatten (z.B. HAWKSHEAD). Die Pflanzen entwickeln sich bei sonnigem Stand viel gedrungener, blühfreudiger und sind auch überaus bruchsicher. Das ist auch deutlich erkennbar, wenn nach vielen Jahren der Fuchsienstandort durch größer gewordene Sträucher und Bäume schattig wird. Die Fuchsien fangen an zu kümmern, haben lange Internodien, weniger Blüten, dünnere Austriebe.

Wir verwenden überwiegend gut eingewurzelte zweijährige Verkaufsware oder Pflanzen aus dem normalen Topfsortiment

unserer Fuchsiensammlung.

Die Pflanzen setzen wir etwa 10 cm UNTER das Niveau des Wurzelhalses. So entsteht eine Art vertiefter kleiner Baumscheibe, wo vorerst einmal das Gießwasser gut eingebracht werden kann. Die Grube wird im Laufe der ersten Vegetationsperiode bei den Pflegearbeiten angefüllt. Der Wurzelballen sitzt jetzt tiefer im Boden und ist dadurch besser frostgeschützt.

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Die Pflege beschränkt sich auf Gießen und Unkrautbekämpfung, Düngen fällt im Pflanzjahr bei gut vorbereitetem Boden ganz weg. In den Folgejahren entweder mit Rhododendren mitdüngen (ca. 4 dag Hornspäne oder Rhododendrendünger auf einen m2 zuerst einmal Ende Mai und dann noch einmal Ende Juni) oder flüssig düngen mit HAKOPHOS GRÜN bis zur Knospenbildung. Danach wird HAKOPHOS ROT verwendet, aber insgesamt sparsamer als bei Topfpflanzen, da sich die Fuchsien ja aus den Bodenreserven bedienen. Eine Düngung mit Patentkali Mitte August fördert die Holzreife.

Der Pflanzenabstand sollte möglichst sorten-angepasst zwischen 50 cm und einem Meter sein. Starkwüchsige Sorten können auch mehr als einen ganzen Quadratmeter beanspruchen, sie erreichen Höhen von 140 bis 180 cm und auch mehr. Informieren Sie sich also vor der Pflanzung um die Platzansprüche Ihrer Sorte, in der Regel ist die Höhenangabe gleich der Pflanzenabstand minus 25%.

Die Pflanzen werden im Herbst NICHT zurück geschnitten. Wir häufeln unsere Pflanzen vor Frostbeginn mit einem halben Kübel Komposterde an und decken noch mit Buchenlaub (grob gehäckselt) ab. Wir sind der Meinung, dass dadurch ein zu früher Austrieb im Frühjahr verhindert wird, der dann meist im April den Spätfrösten zum Opfer fällt.
Im Frühjahr wird das lose Laub entfernt, der Kompost ausgebreitet, die dürren Stängel auf etwa 10 cm zurück geschnitten. So kann man notfalls gegen Spätfröste Vliese auflegen ohne die jungen Triebe abzubrechen und hält damit auch streunende Katzen und Hunde fern. Die lieben Tiere graben sooooo gerne in den offenen Beeten! Haben die Neutriebe eine entsprechende Höhe erreicht wird in einem zweiten Arbeitsgang der Rest der Vorjahrstriebe bodeneben abgeschnitten.

Wichtig ist die Bodenvorbereitung vor der Pflanzung. Den Boden tiefgründig umstechen, nach Beschaffenheit mit Torfmull, Komposterde, scharfem Sand und Hornspänen anreichern. Fuchsien haben kein großes Durchsetzungsvermögen, eine Mischpflanzung mit Blütenstauden und Gräsern hat sich bei uns daher nicht bewährt. Sie mögen keinen Wurzeldruck und Blattschatten von Nachbarpflanzen. Im Sommerblumenbeet sind sie willkommene Strukturpflanzen. Hier erreichen sie – als Solitärpflanzen ausgepflanzt – beachtliche Höhen und fallen durch ihre unterschiedliche Blattfärbung und die lange Blühdauer auf. Am wohlsten fühlen sie sich als Borderpflanzung in eigenen Beeten. Hier kann man mit Gruppenpflanzung von 2 – 3 Pflanzen einer Sorte und im Wechsel mit buntblättrigen Arten und Sorten wie F. mag. AUREA, F. mag. TRICOLOR, GENII, etc. wunderschön gestalten. Es ist auch der Wechsel von höheren Büschen wie RICCARTONII oder WHITEKNIGHTS PEARL und niederen Sorten wie THAMAR, CORALLINA sehr reizvoll. Als Bodendecker hat sich bei uns Fuchsia procumbens bewährt, der alle freien Stellen mit einem grünen Teppich bedeckt. Er blüht ausgepflanzt leider wenig.

Neben den altbewährten Sorten wie F. mag.-Varietäten, F. regia ssp.reitzii, F. tenella, RICCARTONII, WHITEKNIGHTS PEARL, MARGARET, Mrs. POPPLE, PHYLLIS, TOM WEST, LADY THUMB, HOWLETT’S HARDY, VIELLIEBCHEN,FRÜHLING, FLASH, BRUTUS, DIRK VAN DELEN, ALICE HOFFMANN, Mdm. CORNELISSEN, etc.
haben uns großblumige Hybriden verblüfft wie CELIA SMEDLEY, DISPLAY, RUFUS, DOUBLE OTTO, EPPSII, MOOD INDIGO, HEIDI ANN, VOLTAIRE, EMPRESS OF PRUSSIA, HEINZELMÄNNCHEN, alle BEACON-Sorten, BOB’SCHOICE, DRAME, FRAU HILDE RADEMACHER, ESTHER DEVINE. Sie haben auf vollsonnigen Plätzen große Büsche mit vielen Blüten und kräftigen Farben entwickelt. Das Problem bei ganz schweren Blüten wie DOUBLE OTTO oderBEN’S RUBY ist wohl, dass man sie von oben nicht mehr so gut sieht, da sie ja großlaubig sind und sich auch durch ihrGewicht gerne bis zum Boden neigen und so ihren Schmuckwert verlieren. Man könnte sie vielleicht auf einem erhöhten Beet als Einzelpflanze in das Blickfeld rücken.

ANNABEL, CHECKERBOARD, ORANGE MIRAGE haben sich nicht so toll entwickelt, sie sind einfach nicht so starktriebig wie ich es mir erwartet hatte.
Die Hecke aus RICCARTONII, die wir als Stecklinge von Irland mitgebracht haben, erreicht Jahr für Jahr 140 bis 160 cm Höhe und wird üppiger und üppiger, obwohl sie bei uns bis auf einige ganz bodennahe Triebe regelmäßig ganz zurück friert.

Sorten, die nicht mehr als 50 cm erreichen sollte man im Vordergrund setzen, eventuell in Gruppen von zwei oder dreiStück. Bei uns „funktionierte“ es mit ALICE HOFFMANN, ALLEGRA, ANN ROOTS, ARC EN CIEL, ARLENDON, BEACON aller Varietäten, BEN’S RUBY, BURGI’S LEONIE, CORALLINA VAR. TRICOLORII, CORALLINA, CORDONBLEU, DIRK VAN DELEN, DISPLAY, DRAME, DUKE OF YORK, DUTCH FLAMINGO, EPPSII, EVA BOERG, GOLDENJUBILEE, HAPPY, HERON, HOWLETT’S HARDY, JOHN LOCKYER, LADY THUMB, LENA, LITTLE PFEFFERLE, PINKJADE, SATURNUS, SILVER ANNIVERSARY, SIMON J. ROWELL, SIR ALFRED RAMSEY, SON OF THUMB, SPARKY, THAMAR, TOM THUMB, TOM WEST, WALDFEE, WALZ POLKA, WAVENEY SUNRISE.

Sorten, die Büsche bis etwa 100 cm machen und auch als Strukturpflanzen in einem Sommerblumenbeet Verwendung finden könnten, sind A. M. LARWICK, ABBE FARGES, ALBION, ANDROMEDA, ARELER LAND, BERNISSER HARDY,BLONDCHEN, BOB’S CHOICE, BREEDERS DELIGHT, BRUTUS, CARDINAL FARGES, CELIA SMEDLEY,CHAMPION, CONSPICUA, CONSTANCE, DAVID, DOLLARPRINZESSIN, DR. FOSTER, EISLEBEN, ELEANOR RAWLINS, EMILE ZOLAR, ESTHER DEVINE, F. mag. AUREA, F. regia ssp. regia, FRAU HILDE RADEMACHER, GARDEN NEWS, GENII, HANNA, HEIDI ANN, HEINZELMÄNNCHEN, HERALD, KLETTERMAX, LORD ROBERTS, MARGERY BLAKE, MEPHISTO, MONSIEUR THIBAUT, MOOD INDIGO, MRS. POPPLE, ORANGE MIRAGE, OUR TOPSY, PHYLLIS, ROSE OF CASTILLE IMPR., SANA, VIELLIEBCHEN, WHITE PIXIE.

Sorten, die zu Riesenbüschen heranwachsen, also mehr als 100 cm, manchmal auch viel höher werden (das kommt auf den Wurzelstock, den Standort und die Pflege an): BABY BLUE EYES, COPYCAT, DUNROBIN BEDDER, EMPRESS OF PRUSSIA, F. mag. ALBA, F. mag. GRACILIS, F. mag. TRICOLOR, F. regia ssp. reitzii Nr. 4515/F177 (diese ist etwas rotlaubiger und macht viele Bodentriebe), RICCARTONII, FLASH, GLOW, GOLDEN DAWN, HAWKSHEAD (ein wenig Schatten in der Mittagszeit tut ihr gut), LADY BOOTHBY (eine Kletterstütze einplanen!), PAUL BREMER, PRESTON GUILD, RUFUS, VOLTAIRE, WHITEKNIGHTS PEARL.

Nicht angeführt habe ich eine Reihe von Sorten, die bei uns noch nicht so lange ausgepflanzt sind, dass man ein Urteil abgeben könnte. Unsere Pflanzen haben in den letzten Jahren Hitze und Unwetter überstanden, auch wenn der Hagel im Vorjahr größeren Schaden angerichtet hat, so hoffen wir doch, dass sie im heurigen Jahr wieder in voller Pracht erscheinen.

Pflege kurz gefasst: Winterharte Fuchsien werden wie Buschrosen gepflegt. Im Spätherbst als Winterschutz anhäufeln , Rückschnitt erst im Frühjahr! Den Winterschutz nicht zu früh wegnehmen und auch nicht mit Ungeduld im Boden herumstochern, es braucht erst eine gewisse Bodenwärme bis die neuen Trebe zum Vorschein kommen. Fuchsien brauchen diese Zeit – dafür blühen sie dann von Ende Juni bis zum Frost. Welcher Kleinstrauch tut das noch?

Im Freien ausgepflanzte Fuchsien brauchen viel weniger Wasser und weniger Dünger als jene in Töpfen, Ampeln oder Kübeln. Pflanzenschutzmaßnahmen sind in der Regel nicht notwendig, ausgepflanzte Fuchsien sind einfach gesünder!Pflanzen beschaffen: unsere befreundeten Fuchsiengärtner bieten winterharte Sorten an, auch Baumschulen und Gartencenter haben Fuchsien. Denken Sie aber an die empfohlenen Sorten, probieren ist natürlich immer erlaubt.

Setzen Sie nur zweijährige Pflanzen mit guten Wurzelballen, sollten Sie gewünschte Sorten nur als Jungpflanze bekommen, kultivieren Sie diese ein Jahr im Topf oder setzen sie wohl an Ort und Stelle, nehmen sie aber im Herbst heraus und überwintern noch einmal frostfrei.

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